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Schätze aus dem Reich der Mitte
Die Ausstellung "Schätze der Himmelssöhne. Die kaiserliche Sammlung aus dem Nationalen Palastmuseum Taipeh" in der Kunst- und Ausstellungshalle Bonn.
Von Lilia Löwen [24.11.2003]
Im alten China waren alle Dinge unter dem Himmel Eigentum des Kaisers. So musste natürlich die kaiserliche Kunstsammlung die prachtvollste sein. Bis ins 20. Jahrhundert sammelten die chinesischen Herrscher nur das Beste.
Um die 650 000 Objekte umfasst die weltweit größte Sammlung chinesischer Kunst, die heute im Nationalen Palastmuseum Taipeh, Taiwan aufbewahrt wird. Eine Auswahl von insgesamt 400 Exponaten präsentiert die Bundeskunsthalle Bonn in einer einzigartigen Ausstellung.
Dabei haben die Ausstellungsstücke, die nun zum ersten Mal in Deutschland und, nach USA und Frankreich, zum dritten Mal im Ausland überhaupt zu sehen sind, eine wahre Odyssee hinter sich, die in ihrer Dramatik beinahe an einen Mythos grenzt.
1933, als die japanischen Bombenflieger Peking anzugreifen drohten, wurden die Exponate aus dem Palastmuseum - wichtige nationales Kulturgut der Chinesen - eilig in Holzkisten verpackt und aus der Hauptstadt evakuiert.
Mehr als 30 Jahre lang befanden sich die Kunstwerke auf der Flucht quer durch China, stets von Bombenangriffen und Plünderungen bedroht. Hinzu kamen die katastrophalen Straßenverhältnisse - nicht selten überschlugen sich die Wagen mit den wertvollen Kunstgegenständen. Umso erstaunlicher ist es, dass fast alle Objekte überlebt haben.
Erst nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Ende des chinesischen Bürgerkriegs, als die Kommunisten unter Anführung von Mao Tse-Tung Peking eroberten, floh die nationalchinesische Regierung auf die Insel Taiwan und nahm die Kunstwerke mit. 1965 wurde hier das neue Palastmuseum gebaut, das die Schätze der Himmelssöhne nun beherbergt.
Mehr als 10 Jahre nahm es in Anspruch, die Bonner Ausstellung zu organisieren. Die Verhandlungen begannen bereits 1992. Die Schwierigkeit lag nicht zuletzt darin, dass die Kunstwerke aus Taipeh jederzeit von der Volksrepublik China, die sie immer noch als eigenes Kulturgut betrachtet, durch eine einstweilige Verfügung beschlagnahmt werden konnten. So musste im Eiltempo ein Gesetz verabschiedet werden, das die Exponate vor einem fremden Zugriff schützt.
Schätze aus fünf Jahrtausenden kann man nun in Bonn bewundern, von bronzenen Ritualgefäßen aus dem Neolithikum über Bambus- und Elfenbeinschnitzereien bis hin zu berühmten Porzellanvasen der Ming-Dynastie.
Zu den wertvollsten Objekten gehören Kalligraphien aus dem 8. Jahrhundert n. Chr., deren Präsentation bisher dem Nationalen Palastmuseum vorbehalten wurde.
Eine Begegnung auf künstlerischem Gebiet zwischen dem Reich der Mitte und dem Okzident fand bereits im 16. Jahrhundert statt, als jesuitische Missionare nach China gelangten. Eine bemerkenswerte Figur unter ihnen war Giuseppe Castiglione (1688-1766), der nicht nur der Religion, sondern auch der barocken Malerei verpflichtet war.
Der Jesuit lernte Chinesisch und die höfische Etikette und wurde zum Hofmaler des Kaisers Ch´ien-Lung, der ein ehrgeiziger Kunstsammler war. Der Europäer, den die Chinesen nur Lang Shih-Ning nannten, entwickelte einen Mischstil, bei dem die Prinzipien der europäischen Malerei auf traditionelle chinesische Maltechniken trafen.
Ein Beispiel der Kunst Castigliones ist die fast drei Meter lange bemalte Querrolle, die 1759 anlässlich des Sieges über ein aufständisches Nachbarvolk gefertigt wurde. Das Bild zeigt den entscheidenden Moment der Schlacht. Ein vom Kaiser persönlich verfasstes Loblied auf den Sieger Ma-Ch´ang schmückt die obere Kante der Rolle.
Die Ausstellung vermittelt Einblicke nicht nur in gesellschaftliche und politische Tendenzen des alten Chinas, sondern auch in den Alltag des einfachen Menschen, dessen Selbst- und Weltverständnis sich in der Kunst spiegelt.

Links zum Thema
- Kunst- und Ausstellungshalle: http://www.kah-bonn.de