Was könnte das sein, ein Berg, mag man sich bei den Gemälden des Herbert Brandls fragen. Wie Bergsteiger einen Gipfel erklimmen, besteigt der Maler seine Leinwand. In beiden Fällen muss etwas überwunden werden, ein Gegenstand und die Hemmungen des eigenen Geistes. Die Natur, der Berg, das ist mehr als nur eine Form, die sich fotografisch-realistisch festhalten lässt. Mit dem Problem der Wiedergabe hat sich die Malerei immer beschäftigt.
Die Landschaft wurde als Ideal oder als Licht und Bewegung wiedergegeben. Diese Veränderung des Gesehenen ist notwendig, um die Metaphysik einer Landschaft, das über die Form und Farben hinausgehende, zu vermitteln. Doch Brandl geht einen umgekehrten Weg. Er fängt auf der Leinwand an, bearbeitet sie und macht sie am Ende zu einer Landschaft, einem Berg. Er malt die Abstraktion und daraus formt sich mit der Zeit ein expressionistisches Gebirgsmassiv.
Der Betrachter wird mit beidem konfrontiert, mit der Figuration und mit der Idee der Malerei. Die konventionellen Sehgewohnheiten weisen den Gegenstand als Landschaft aus, obwohl es keine ist. Diese Spannung zwischen Abstraktion und Gegenstand verwischt den Prozess des Wahrnehmens.
Der englische Philosoph John Locke unterschied zwischen "sensations" und "reflection" bei der menschlichen Aneignung des Wissens, wobei erstere das sinnliche Wahrnehmen, letztere die geistige Auseinandersetzung beschreiben. Brandl vereint diese beiden Vorgänge.
Herbert Brandl, 1959 in Graz geboren, nahm u.a. an der Biennale de Paris, 1985, und der Documenta IX in Kassel, 1992, teil. Er lebt und arbeitet in Wien.

Einblicke in das Werk von Herbert Brandl...
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Kandinsky hat das Malen mit dem Komponieren, mit Musik verglichen. Hat bei Ihnen die Farbe eine ähnliche Bedeutung?
Nicht unbedingt.
Welche Bedeutung hat die Fotografie für Ihr Werk?
Fotografie bestimmt mein Leben und damit mein Werk - zu mindestens zeitweise
Wollen Sie mit Ihren Bildern eine neue Art des Sehens provozieren?
Nein, provozieren will ich eigentlich nichts. Aber mir ist das schon recht, wenn sich eine neue Sichtweise auf die Dinge ergibt. Aber darüber denke eigentlich nicht so nach.
Wie kamen Sie auf die Idee, Berge als Sujets zu wählen?
Ich habe nie die Idee gehabt, Berge zu malen. In dem Sinn male ich nicht diesen oder jenen Berg. Die Form des Berges hat sich langsam innerhalb meiner abstrakten Malerei herausentwickelt.
Welche Rolle wird die Abstraktion in der Malerei in Zukunft einnehmen?
Die Rolle der neuen Abstraktion.
Sie sagten einmal, dass Sie die Leinwand wegen der Größe wie einen Berg erklimmen müssten. Wie viel an Ihren Bildern bereiten Sie vor, wie viel entsteht im Prozess des Malens?
Eigentlich entsteht fast alles im Prozess des Malens. Vorbereitung im Sinne von Skizzen gibt es nicht. Vorbereitung findet durch Beobachtung statt. Im Grunde genommen ist es ein Herumkreisen um das Bild. Das was Sie unter Sujet verstehen, ist für mich ein Batzen Materie. Eigentlich erkenne ich das, was ich male, erst durch den Malprozess. Malen verändert die Leinwand. Und Malen ist gefährlich. Man stürzt leicht ab.
Sie thematisieren auch das Medium Malerei. Gibt es noch große Herausforderungen?
Je schlechter die Zeiten umso größer die Herausforderung für die Malerei.