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a Vela - das Kunstmagazin
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29.12.2004
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Die Angst vor der Dunkelheit
Jaume Balagueró ergründet in seinem apokalyptischen Thriller 'Darkness' die menschliche Angst vor der ewigen Nacht.
Von Boris Hänßler
Schon in seinem vorigen Werk, "The Nameless", wandte sich der spanische Regisseur Jaume Balagueró Bereiche zu, die sich dem rationalen Denken entziehen. Ein Geheimbund huldigt in bewusster Abkehr zu jeglichen Moralvorstellungen eine Philosophie des Schmerzes. "Darkness" ist in dieser Hinsicht weitaus radikaler und zeigt ein düsteres, deterministisches Weltbild. Balagueró beschreibt eine der fundamentalsten Ängste der Menschen, die vor der Dunkelheit, der Orientierungslosigkeit und des völligen Kontrollverlustes.
In einer Zeit, in der nahezu alles erforscht ist, wirken diese Ängste irrational. Die Dunkelheit kann das reine Nichts sein, das Bewusstwerden der eigenen Verlassenheit, oder die Menschen projizieren das absolute Böse in sie hinein. Diese letztere Hilfslosigkeit gegenüber einer permanenten, nicht zu ortenden Bedrohung, trägt zudem religiöse Züge. Wir haben es nicht mit einem Killer zu tun, der in der Nacht in den privaten Raum einbrechen möchte und den man gegebenfalls doch überwältigen kann, sondern mit etwas Unfassbarem, nämlich der biblischen Apokalypse. Allerdings ohne die Hoffnung, dass am Ende im Kampf zwischen Gut und Böse ersteres siegen wird.
Diese Ängste vermittelt Balagueró mit Hilfe der erzählerischen Mittel gängiger Horrorthriller. Ein in der Filmgeschichte oft gesehenes Geisterhaus lässt den Protagonisten keine andere Wahl, als sich mit den Dämonen schon früh auseinander zu setzen. Zusätzlich droht in "Darkness" eine natürliche Verdunkelung des Tages, die Sonnenfinsternis, die von jeher von Weltuntergangsvisionen begleitet wurde.
Maria und Marco ziehen mit ihren Kindern, dem achtjährigen Paul und seiner älteren Schwester Regina, in ein abgelegenes Landhaus. Dort sind schon kurz nach ihrem Einzug die Anzeichen des drohenden Unheils bemerkbar. Balagueró zitiert hier munter Klassiker des Genres: das Licht beginnt zu Flackern, ein Spielzeugkarussell dreht sich von alleine. Vater Marco verfällt wie der Held in Kubricks "Shining" in den Wahnsinn. Zuvor hatte er das schauerliches Bild einer Geisterfamilie, das er im Haus entdeckte, aufgehängt.
Der kleine Paul ist für die mysteriösen Veränderungen am empfänglichsten. Er wacht morgens mit Schnittwunden auf, die er nicht selbst verschuldet hat. Er experimentiert mit dem Übernatürlichen, in dem er einen Bleistift an einer Stelle ablegt, an der er am Tag zuvor wie von einem Magnet unters Bett gezogen wurde. Maria ist der rationale Gegenpart Pauls. Sie sieht in den zunehmenden aggressiven Ausbrüchen des Vaters lediglich die Erinnerung an dessen Kindheitstrauma, die sich mit Tabletten bewältigen lässt. Pauls Schlafstörungen führt sie auf die neue, ungewohnte Umgebung zurück. Nur Regina übernimmt die Aufklärungsarbeit und geht den beunruhigenden Ereignissen nach, ohne jedoch deren Ausmaß zu ahnen.
Leider begnügt sich Balagueró nicht damit, das abstrakte Böse auftreten zu lassen und führt in seine Geschichte einen menschlichen Schurken ein, der sich mit den Dämonen verbünden und die Familie auslöschen will. So schwankt der Film oft zwischen Zitaten bekannter Horrorwerke und der religiös-philosophischen Betrachtung menschlicher Abgründe, wobei die Konzentration auf letzteres wesentlich interessanter gewesen wäre. Die guten Darsteller und die gelungen fotografierte düstere Umgebung helfen über diese konventionellen Thrillermomente hinweg. Auch setzt Balagueró glücklicherweise auf subtile Gewalt und verzichtet weitgehend auf die sonst üblichen Blutorgien.
Am Ende bleibt eine Szene im Gedächtnis: Der Architekt des Geisterhauses hinkt durch einen U-Bahnhof. Die Dunkelheit verfolgt ihn langsam und kurz bevor sie ihn endgültig verschluckt, wandelt sie sich für den Bruchteil einer Sekunde in ein geflügeltes Wesen. In der Mythologie symbolisiert es den Übertritt vom Leben in den Tod. In diesen Bildern spiegeln sich die Ereignisse im Haus, die am Ende auf die gesamte Umwelt übertragen werden müssen. Die deterministische Weltanschauung lässt konsequenterweise kein anderes Ende als das gezeigte mehr zu.
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