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a Vela - das Kunstmagazin
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24.01.2005
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Roboterrevolten
Alex Proyas verwendet Motive aus einer Reihe von Kurzgeschichten über künstliche Intelligenz, um daraus die gigantische Roboterschlacht 'I, Robot' zu inszenieren.
Von Boris Hänßler
Wie künstliche Menschen in die Gesellschaft integriert werden können, damit befassen sich unzählige Romane und Filme. Mal sind es Androiden, mal Roboter, manchmal ist es eine nicht greifbare Intelligenz, die nur über Computernetze kommuniziert wie der Puppet Master in dem japanischen Anime "Ghost in a Shell". In der Regel geht die Integration schief. Die künstlichen Wesen usurpieren und unterdrücken oder eleminieren gleich die gesamte Menschheit. Ein harmonisches Zusammensein halten die meisten Filmemacher für ausgeschlossen. Früher oder später kommt es zum Eklat, paradoxerweise verhalten sich die Maschinen dann in ihren Machtgelüsten allzu menschlich und müssen als die bessern, weil gefühlskälteren, Killer herhalten. Meist ist das der Wendepunkt, in der interessante filmischen Ansätze in Materialschlachten à la "Robocop" oder banale Gruselschocker übergehen.
Auch Alex Proyas ist nicht bekannt dafür, dass er sich in seinen Actionreißern lange mit gesellschaftlichen Fragestellungen aufhält. Seine früheren Werke "Dark City" und "The Crow" sind in schwarzem Grundton perfekt durchgestylte Horrorthriller, die modisch die Matrix-Triologie vorausahnen lassen. Man muss diese Arbeiten nicht beanstanden - sie sind gut gemacht und unterhalten. Mit "I, Robot" wagt sich Proyas jedoch in ein Themengebiet, das mit "A.I." und "Blade Runner" bereits intelligente Bearbeitungen erfahren hat. Proya bedient sich nicht zuletzt dieser beiden Filme, um mehrere Kurzgeschichten des Schriftstellers Isaac Asimov in eine zeitlich angemessene Ästhetik einzukleiden. Asimov drehte in seinen Robotergeschichten die Mensch-Maschine-Beziehung zumindest ansatzweise um: Gefühlvolle Roboter stehen eiskalten Menschen gegenüber, die ihre eigenen maschinellen Konstruktionen unterdrücken.
Proyas führt uns in eine Welt ein, in der Roboter längst unverzichtbarer Bestandteil des menschlichen Alltags sind. Sie führen Hunde aus, erledigen den Abwasch, bedienen höflich im Restaurant. Sie sind unfehlbar, denn sie sind nach drei Grundsätzen programmiert: Sie dürfen Menschen nicht verletzen oder bei Verletzungsgefahr untätig zusehen, zweitens müssen sie allen Befehlen gehorchen, sofern diese ersterem Satz nicht widersprechen und die Roboter müssen sich selbst schützen, sofern dies nicht gegen die ersten beiden Gesetze verstößt. Die Gesetze funktionieren, auch wenn Will Smith alias Del Spooner, Detektiv des Morddezernats, alle Roboter hasst und ihnen jede erdenkliche Tat zutraut.
Ausgerechnet er soll den angeblichen Selbstmord eines Vorstands von U.S.- Robotics aufklären, einem Großkonzern, der Marktführer in der Roboterherstellung ist. Spooner geht davon aus, dass der Mann Opfer einer Maschine wurde. Tatsächlich entdeckt Spooner ein neues Modell, das die Fähigkeit hat, Emotionen zu entwickeln und seine eigene Existenz zu hinterfragen. Diese tatverdächtige Maschine führt den Detektiven zu einem weitaus komplexeren Problem, denn ein künstliches Superhirn in der Konzernzentrale nimmt die drei Gesetze zu genau und will die Macht an sich reißen, um die vom Krieg besessenen Menschen vor sich selbst zu schützen. Was nun folgt, sind Schlachtszenen zwischen Menschen und revoltierenden Robotern, Bilder, die im Kino schon allesamt besser zu sehen waren.
Der Film behandelt interessante Aspekte von künstlichen Existenzen. Wenn Gehirnforscher der Menschheit einen freien Willen absprechen, dann ist unsere Intelligenz nicht mehr als ein Speicher voller gesammelter Informationen und damit der künstlichen nicht unähnlich. Menschen sind entsprechend manipulierbar wie Roboter. Die hingegen funktionieren perfekt und halten sich an die Regeln des Zusammenlebens, solange sie kein Selbstbewusstsein haben. Das Bewusstsein ihrer Existenz würde sie zu menschenähnlichen Wesen machen und erst dann könnten sie sich über die Gesetze erheben und auch töten.
Die implizierten Fragen, was künstliche Intelligenz und was das Menschsein ausmacht, aber auch Fragen nach den Gefahren von einem globalen System, das von einem einzigen Konzern beherrscht werden kann und dessen Zentrale erobert werden muss, um die Welt zu steuern - diese Fragen werden aber leider nur angedeutet, um Platz für einen aufwändigen Actionfilm mit einem allzu coolen Helden, einer sprücheklopfenden Maschine und durchschnittlichen Special-Effects zu machen. "I, Robot" ist über weite Strecken zwar sehr spannend, bei dem vorliegenden Potential dieser Geschichte ist das aber leider zu wenig.
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