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  a Vela - das Kunstmagazin
11.04.2005
Ein Gefühl der Tragik

Ein Interview mit der mexikanischen Sängerin und Songschreiberin Lila Downs.

Lila Downs ist die Tochter eines schottisch- amerikanischen Malers und Filmemachers sowie einer indianischen Sängerin. Sie wuchs in den Bergen der Sierra Madre in Oaxaca im Süden Mexikos auf. Sie studierte Musik und Anthropologie in Minnesota und Oaxaca.

International bekannt wurde sie mit ihren Beiträgen zu dem Soundtrack des Films 'Frida', ein Porträt der mexikanischen Malerin Frida Kahlo, gespielt von Salma Hayek. In dem Film hatte Lila Downs einen Gastauftritt als Sängerin. 'Una Sangre' ist ihr viertes Album nach 'La Sandunga', 'Tree of Life' und 'Border'.




Lila Downs, einige Journalisten schreiben, in der modernen mexikanischen Musik gäbe es eine starke Tendenz zu politischen Texten. Hat das nicht vielmehr eine Tradition?

Ja, es gibt diese Tradition, vor allem aus der Zeit der Revolution. Stücke wie 'La Cucaracha' wurden vor allem als Sozialkritik geschrieben.


Warum ist in den USA und Europa Musik aus Lateinamerika derzeit so erfolgreich?

Viele Leute mögen dieses rhythmische Musikgefühl. Die Musik vereint europäische, altamerikanische und afrikanische Einflüsse.


Ihre Musik ist tatsächlich sehr rhythmisch. Es ist Tanzmusik. Ist es wichtig, dass die Leute zu den Liedern tanzen können?

Ja, das macht uns glücklich.





'Una Sangre' vermischt verschiedene musikalische Stile...

Ja, Jazz aus dem Norden, Cumbia aus dem Süden und sogar Samba aus dem Südosten des Landes.


Glauben Sie, dass die Europäer, die Ihre Musik hören, mit den mexikanischen Musiktraditionen vertraut sind und daher Ihre Interprationen mögen? Oder mögen sie die Musik weil die umgekehrt eher international als traditionell ist?

Es ist wahrscheinlich eine Mischung aus beidem. Einige der Lieder, die unser Publikum am meisten mögen, gehören zu den traditionellsten, die wir singen und gleichzeitig mögen sie auch die "internationalsten", also die, die sehr viele Einflüsse haben.


Es gibt auf 'Una Sangre' ein Lied über Malinche. Bereits Frida Kahlo hat Malinches negatives Image in ihren Gemälden in ein positives transformiert. Was bedeutet Ihnen Malinche?

Sie hatte ein negatives Image, weil sie als der Indio angesehen wurde, der ihr sein eigenes Volk verraten hat und mit dem "Eroberer" gegangen ist. Aber sie war auch eine sehr intelligente Übersetzerin der indigen poetischen "Blumensprache", und auch der Denkweise. Sie übersetzte ebenfalls den religiösen Glauben, und deshalb kann ich mich sehr gut mit ihr identifizieren.


Sie sagten, Menschen mixtekischer Abstammung schämen sich oft für ihre Wurzeln. Haben Sie selbst Erfahrungen damit?

Ich stellte bereits in einem sehr jungen Alter fest, dass die Leute in der Mestizogemeinde den Akzent meiner indigenen Mutter abfällig betrachteten, als diese spanisch sprach. Das ist eine Gemeinsamkeit aller indigenen Gruppen in Mexiko. Ich wurde stets mit mehr Respekt und Bewunderung angesehen, wenn ich mit meinem angelsächsischen Vater unterwegs war.


Auf dem Album singen Sie eine neue Version des Klassikers 'La Cucaracha'.

Es ist eine Adaption des alten Liedes. Ich habe Teile des Textes übernommen und einige Zeilen hinzugefügt, die allerdings den Geist des Originals beibehalten sollen.


'Una Sangre / One Blood' ist ein Slogan der Organisation 'Esperanza Unida', die in Milwaukee benachteiligten Menschen hilft, wieder in die Gesellschaft intergriert zu werden. Wie kam es, dass das Album danach benannt wurde?

Wir machten in Milwaukee ein Benefizkonzert für diese Gemeinschaft. 'One Blood' ist eines ihrer Themen. Sie versuchen, die Menschen zu vereinen. Das ist auch etwas, was wir mit unserer Musik zu tun hoffen.





Sie behaupteten einmal, es gäbe ein bleibendes Gefühl der Tragik in der Seele der Mexikaner. Warum?

Wir hatten eine grandiose Vergangenheit. Deshalb gibt es dieses Gefühl der Tragik, ein "Llanto" (Weinen), wegen des Verlustes unseres Stolzes. Das Lied 'Ranchera' ist über den Verlust einer großen Liebe. Wir zerfließen immer in Selbstmitleid, wie es auch in dem Lied heißt: Pobre de mi.


Wie würden Sie das heutige Mexiko beschreiben? Gibt es eine spirituelle Rückkehr zur Vergangenheit? Wird es zunehmend eine Annäherung an die nordamerikanische Kultur geben?

Es gibt ein sehr interessantes Buch, das mir Robert Persig, der Autor von 'Zen und die Kunst ein Motorrad zu warten', geschenkt hat. Es heißt 'The Meeting of East and West' und ist von F.C.C. Northrop. Der glaubte, dass in der mexikanischen Kunst einen einzigartige Zusammenfluss des Alten mit dem Modernen existiert. Die nordamerikanische Kultur ist natürlich sehr gegenwärtig. Aber ich hoffe, dass Mexiko seine Identität behalten und vom Norden das Positive übernehmen wird.


Sie haben Ihre Abschlussarbeit an der Universität über den Symbolismus der Frauen des Triqui-Stammes geschrieben. Beeinflusst diese starke Symbolik indigener Völker auch Ihre Texte?

Ja, auf jeden Fall.


Ihr Vater war Maler. Es scheint mir, dass auch Sie von den visuellen Künsten stark beeinflusst ist. Würden Sie zustimmen?


Ja, das ist richtig und in der Tat produzieren wir gerade eine DVD, die die visuellen Elemente der Musik in den Mittelpunkt stellt. Sie enthält auch Interviews mit visuellen Künstlern, die unsere Arbeit beeinflussen.


Alle Bilder auf dieser Seite mit freundlicher Genehmigung von Betto Arcos u. Lila Downs.