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12.09.2005
Kunst unter der Diktatur

Künstler stehen oftmals in einem Spannungsverhältnis zwischen Gesellschaft und Staat, besser gesagt, der Politik. Sie kritisieren ein System, indem sie sich selbst tagtäglich bewegen müssen. Dies wird um ein Vielfaches brisanter, wenn das System diktatorische Züge aufweist, wie das der DDR. Eckhart Gillen beschäftigt sich in seinem Buch mit den wichtigen und wegweisenden Aufgaben der Bildenden Kunst im Gesellschaftssystem des "realen Sozialismus".

Von Claudia Haevernick

Schriftstellern, Publizisten und Künstlern wurde es zu keiner Zeit außerordentlich leicht gemacht. Ein heutiges Problem mag vielleicht sogar im Überfluss an so genannten Intellektuellen liegen, die es der Gesellschaft zunehmend erschweren, zwischen relevanten und gehaltlosen Theorien zu unterscheiden. Die Schriftsteller der damaligen DDR hatten jedoch mit ganz anderen Schwierigkeiten zu kämpfen, um ihre Ideen zu verbreiten und sich gleichzeitig vor Verfolgung und Sanktionierung zu bewahren.

Die Beziehung zwischen den Künstlern und dem Staat ist auch nach dem Untergang des Regimes aus historischer Sicht schwer zu fassen. Auf eine paradoxe Weise bestand zu jeder Zeit ein symbiotisches Verhältnis zwischen beiden. Auch wenn die Künstler für mehr Freiheit in ihrer Arbeit und weniger Zensur plädierten, so waren sie gleichzeitig auch immer durch ihre institutionelle Bindung Teil und Ausdruck der Partei. Als solches wurden sie in der Gesellschaft wahrgenommen und identifizierten sich auch selbst damit.

Auf der anderen Seite schmälerte diese Tatsache natürlich die Glaubwürdigkeit ihres Protestes und das Ausmaß ihrer Kritik. Schließlich konnten sie sich als Teil der Partei und somit des politischen Systems nicht selbst bekämpfen.

Viele der Künstler vertraten die Auffassung, dass es effektiver sein würde, der Partei beizutreten, um sie so, von innen heraus, reformieren und verbessern zu können. Im Nachhinein ist es sicherlich fraglich, ob dies nicht vielmehr zur Stabilisierung und Legitimation geführt hat.

Genau diesen Fragen geht der Autor Eckhart Gillen in seinem Buch Das Kunstkombinat DDR nach. Er möchte damit "nicht die Geschichte der Kunst in der DDR" aufschlüsseln, sondern gezielt das Verhältnis und die Aufgabe der Bildenden Kunst gegenüber Regime und Parteiapparat untersuchen. Dazu konzentriert sich der Autor auf die Eckpunkte der historischen Auseinandersetzung der Kunst mit dem politischen Apparat.

Er beginnt mit der Darstellung der sozialistischen Kunst in den zwanziger Jahren und deren Einfluss auf die Kunstpolitik der DDR, welche in der Durchsetzung des Bitterfelder Weges im Jahre 1950 schmerzlich zum Ausdruck kam. Nach vielen gescheiterten Versuchen, die engstirnige und reglementierte Kunstauffassung zu reformieren, gilt der letzte Abschnitt des Buches "Auf keine Art irgendwelche Hoffnung" der Resignation und Ausweglosigkeit. Wolf Biermann wurde am 16. November 1976 der DDR für immer verwiesen, und mit ihm schien alle Hoffnung auf die Umsetzung eines Demokratischen Sozialismus zu verschwinden.

Eckhart Gillen geht dieses Thema umfassend und übersichtlich an, die vielen Abbildungen der einzelnen Künstler und ihrer Werke machen seine Arbeit plastisch und runden sein Buch zu einem informativen und umfangreichen Nachschlagewerk ab.

"Das Kunstkombinat DDR", Eckhart Gillen, DuMont Literatur und Kunstverlag (2005).