|
|
 |
 |
|
a Vela - das Kunstmagazin
|
25.02.2005
|
 |
 |
 |
 |
Schmutzige Gewässer
Walter Salles versucht sich mit 'Dark Water' an einem Remake des gleichnamigen japanischen Horrorfilms aus der Feder des 'Ring'-Autors Suzuki.
Von Boris Hänßler
Die US-Filmindustrie hat längst bemerkt, dass das asiatische Kino derzeit im Genre Horrorfilm die weitaus interessanteren Ideen hervorbringt. Zu verdanken ist dies nicht zuletzt dem Schriftsteller Kôji Suzuki, der die Romanvorlage für den Erfolgsfilm "The Ring" geschrieben hat. Nach dessen überwältigem Erfolg kamen in Japan unzählige weitere Horrorfilme ähnlichen Musters in die Kinos, wobei ebenfalls einige innovative Autoren Abnehmer für ihre Bücher finden konnten.
Von Suzuki stammt auch "Dark Water", dessen japanische Verfilmung hierzulande nur in einigen Videotheken zu finden ist. Ins Kino brachte es indes das amerikanische Remake, das bereits vier Jahre nach der Produktion des Originals gedreht wurde.
Erstaunlich ist, dass ausgerechnet der Brasilianer Walter Salles das Remake inszenierte, ein Regisseur, der u.a. mit den preisgekrönten "Central do Brasil" und "Motorcycle Diaries" das lateinamerikanische Kino bereicherte. Erstaunlich, weil er bei seinem Hollywood-Debut entgegen seiner bisherigen Filmographie auf Nummer Sicher setzt. Horrorfilme verkaufen sich gut, mit Jennifer Conelly hat er eine prominente Darstellerin, überhaupt stellte man ihm ein erfahrenes Erfolgsteam zur Verfügung. Hinzu kommen natürlich die guten Vermarktungsmöglichkeiten angesichts einer populären Vorlage.
Erzählt wird die Geschichte einer jungen Frau, Dahlia, die sich gerade von ihrem Mann getrennt hat. Sie sucht mit ihrer kleinen Tochter Cecil eine günstige Mietwohnung in New York. Sie muss sich beeilen, denn steht sie weiterhin ohne bezahlbare Wohnung da, zieht sie womöglich im anstehenden Sorgerechtsprozess den Kürzeren. Außerdem gilt sie als labil. Es heißt, sie leide unter Migräne. Sie schluckt starke Tabletten, die Halluzinationen hervorrufen können.
Dahlia findet ihre Wohnung in einem düsteren, heruntergekommen Betonblock, wo ein übertrieben freundlicher Vermieter und ein wortkarger, unheimlicher Hausmeister sie in Empfang nehmen. Die Wohnung ist schäbig, aber relativ groß und billig. An der Decke entdeckt Cecil einen Fleck, aus dem dunkles Wasser heruntertropft. Mehrmals sucht Dahlia die Ursache in der leerstehenden Wohnung über ihnen, die häufig überschwemmt ist – dank zweier Junkies, wie der Hausmeister erklärt.
Die Situation wird zunehmend beängstigend. Der Rucksack eines kleinen Mädchens namens Natasha taucht mehrmals auf. Das Mädchen ist seit einiger Zeit spurlos verschwunden. Gleichzeitig entdeckt Cecils Lehrerin, dass sich Cecil mit einer imaginären Freundin streitet. Sie heißt ebenfalls Natasha.
Es geht dramatisch weiter: Der Fahrstuhl im Haus entwickelt ein eigenartiges Eigenleben. Dahlia sieht ihren Ex-Mann, wie er mit den Junkies verhandelt und der Hausmeister treibt ein eigenes Spiel, scheint etwas zu verschweigen. Das nun auch in der Waschküche und sogar in Cecils Schule auftauchende Wasser agiert intelligent. Es bedroht ausschließlich Dahlia und ihre Tochter.
Bis hierher ist unklar, ob Dahlia den Bezug zur Realität verloren hat, wie ihr Ex-Mann über seine Anwältin erklären lässt, ob der Ex-Mann selbst die Hände im Spiel hat und sie in den Wahnsinn treiben will, ob es tatsächlich spukt oder eine ganz andere Erklärung gibt.
Leider nutzt das Drehbuch das Potential der Geschichte nicht. Was nun in der Geschichte folgt, ist größtenteils vorhersehbar. Die Charaktere bleiben weitgehend blaß. Dahlias Anwalt etwa gibt vor, eine Familie zu haben, um seine Einsamkeit zu kaschieren. Solche zaghaften Versuche einer Charakterbeschreibung werden nicht weiter ausgeführt, insofern wirken sie fehl am Platz.
Am Ende bemüht sich der Drehbuchautor um die übersinnliche Klärung aller Ereignisse, so dass psychologische Schlüsse nicht mehr möglich sind. Das lange Zeit anhaltende Schwanken zwischen verzerrter Wahrnehmung und Wirklichkeit, Wahnsinn und Rationalismus verliert sich schließlich in einer simplen Spukgeschichte, wenn auch das Finale eine gewisse Originalität hat.
Alles in allem muss man Salles zugestehen, dass er angesichts seiner Vorgaben das beste aus dem Stoff herausgeholt hat. Immerhin gelingt es ihm, die zunehmend klaustrophobische Stimmung in kunstvollen Bildern zu vermitteln. Er verzichtet außerdem völlig auf die sonst so üblichen Gewaltexzesse und konzentriert sich ganz auf den psychologischen Terror.
Jennifer Conelly ist ebenfalls zu loben. Sie ist die Idealbesetzung der labilen Mutter, die nicht weiß, ob sie paranoid ist, aber klar genug bei Verstand bleibt, um die Geschehnisse zu untersuchen. "Dark Waters" ist eine konventionelle Horrorstory, doch Salles ist und bleibt, das hat er in seinen bisherigen Filmen bewiesen, ein Meister des Visuellen.
|
 |
|
|  |
|