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a Vela - das Kunstmagazin
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17.04.2006
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Grausamkeit mit einem leichten Lächeln
Pedro Almodovar kehrt mit seinem neuen Film 'Volver' zurück in seine Heimat und zu seinem großen Thema, der Mutter.
Von Anna Schwarz
Es kommt nicht oft vor, dass man das Kino mit dem guten Gefühl verlässt, einen wirklich runden Film gesehen zu haben. Einen Film, der keine offenen Enden zurücklässt und vor menschlichen Abgründen nicht zurückschreckt. Einen Film, der zufrieden stellende Antworten gibt, allerdings ohne zu klären, ob die gestellten Fragen noch relevant sind. Einer, der eine völlig in sich geschlossene Geschichte erzählt, und zwar einfach deswegen, weil er es nicht nötig hat, über sich hinaus zu verweisen.
So wird es dem Kinobesucher ergehen, wenn er aus Pedro Almodóvars neuem Film "Volver" – "Zurückkehren" – kommt. "Volver" ist eine Familiengeschichte, die sich im kulturellen Spannungsfeld zwischen Madrids Arbeitervierteln und der überaus traditionellen spanischen Provinz abspielt. Drei Generationen von Frauen bilden Teil des von Almodóvar aufgespannten Netzes aus Motiven von Rückkehr, Neuanfang und unerwarteten Wendungen und Notwendigkeiten im Leben.
Im Mittelpunkt dieses Netzes steht Raimunda (Penelope Cruz): Von ihrem Vater missbraucht und schwanger, flieht sie aus den rigiden sozialen Strukturen ihres Heimatdorfes nach Madrid um dort ihr Kind zu bekommen. Sie bricht mit ihren Eltern, die wenig später gemeinsam in einem Brand umkommen.
Der Film setzt ein mit ihrer Rückkehr in das Dorf. Gemeinsam mit ihrer Schwester Sole und ihrer Tochter, mittlerweile im Teenageralter, besucht sie ihre ältliche Tante und wird mit ihrer alten Umgebung und den Traditionen des Dorfes konfrontiert.
Zurück in Madrid, sieht sie sich neuen Herausforderungen gegenüber: Während sie von einem schlecht bezahlten Job zum nächsten tingelt, versucht ihr arbeitsloser Ehemann, ihre Tochter zu missbrauchen, und diese bringt ihn aus Notwehr um. Zu dem Problem, was mit der Leiche geschehen soll, gesellen sich die enervierenden Fragen der früheren Nachbarin aus dem Dorf, Agustina.
Agustina erfährt, dass sie Krebs hat und will nun unbedingt herausfinden, was aus ihrer seit vier Jahren verschwundenen Mutter geworden ist, dem einzigen Hippie, den das Dorf je gesehen hat. Dabei soll ihr Raimundas und Soles Mutter helfen, die - davon ist Agustina sowie der Rest des abergläubischen Dorfes überzeugt - von den Toten auferstanden ist.
Tatsächlich erscheint die tote Mutter (Carmen Maura) schon bald Raimundas Schwester Sole in höchst lebensechter Form, und zieht bei ihr ein. Sole betreibt in ihrer Wohnung eine Art Friseursalon für die Nachbarschaft, und um ihre Kunden nicht zu verschrecken, gibt sie ihre Mutter als russische Friseurgehilfin aus. Die Person, mit der die Mutter aber eigentlich offene Angelegenheiten zu klären hat, ist Raimunda.
"Volver" bedeutet für Almodovar in vielerlei Hinsicht tatsächlich eine Rückkehr. Er kehrt zurück zur spanischen Provinz der Mancha, wo er selbst geboren und aufgewachsen ist, und zu den Frauen der dortigen Dörfer, ihrem Zusammenleben, ihren Ritualen und dem sozialen Zusammenhalt, der daraus entsteht.
Zum ersten Mal nach sechzehn Jahren arbeitet er wieder mit Carmen Maura zusammen, der Galionsfigur seiner früheren Filme, und macht sie zum weiblichen Oberhaupt einer Familie, die auf sehr unkonventionelle Weise zueinander findet. Nachdem er sich in seinen letzten Filmen mit einem eher männlich geprägten Universum auseinandergesetzt hat, kehrt Almodóvar also endlich zurück zu seiner Welt des Femininen und zu seinem großen Thema: der Mutter.
Er findet außerdem zurück zu einem leichteren Tonfall, mit dem er das sprühende Leben selbst mit seinen tragischen und komischen Aspekten sprechen lässt. Er sagt, er habe mit "Volver" keine surrealistische Komödie inszenieren wollen. Wenn in seinem Film Lebende und Tote dieselbe Welt teilen, geht es ihm vor allem darum, etwas von der Natürlichkeit umzusetzen, mit der in der spanischen Provinz mit dem Tod umgegangen wird.
In dieser positiven, von zyklischen Strukturen und deren Aufbrechen durchdrungenen Geschichte zeigt uns Almodóvar ein reales, lebenslustiges und gerade aus seinen traditionellen Riten und Gebräuchen Vitalität schöpfendes Spanien. Durchaus bewusst rebelliert er damit gegen den Mythos von "España negra", also von Spaniens rückständiger und opressiver Kultur.
"Volver" ist ein Film der warmen Töne, der sein Land ehrlich und unverfälscht porträtiert, der nicht in Szene setzt sondern mit einem leichten Lächeln Schönheit und Grausamkeit gleichermaßen aufzeichnet.
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