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a Vela - das Kunstmagazin
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28.08.2006
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Kein Stil als Stil
Über sechzig Jahre lang inszeniert nun schon Peter Zadek seine Form der Realität auf den größten Bühnen Europas. Dem wohl bekanntesten und bedeutendsten Regisseur des europäischen Theaters, gelang es aufgrund seiner unbeschreiblichen Kreativität, immer wieder die Grenzen der äußeren Ästhetik zu übertreten und völlig Neues zu schaffen.
Von Claudia Haevernick
Zadek wurde am 19. Mai 1926 in eine jüdische, gutbürgerliche Familie in Berlin geboren. Von dort aus emigrierten sie bereits 1933 nach London, einige Zeit später weiter in das ruhigere Oxford. Nachdem er bei seiner Ausbildung zum Lehrer zum ersten Mal mit einer Amateurtheatergruppe zusammen trifft, festigt das seinen Wunsch, selbst Regie zu führen und zu inszenieren.
Kurzerhand zieht Zadek nach London und beginnt seine Regieausbildung. Mit 21 hat er bereits seine erste Premiere mit Oscar Wildes Stück Salome, anschließend arbeitet der Regisseur im ganzen Land, teilweise mit der Verpflichtung, jede Woche ein neues Stück zu inszenieren.
1958 erhält Zadek eine Einladung der Städtischen Bühnen Köln und reist somit zum ersten Mal nach seiner Emigration wieder in sein Heimatland. Bei dieser Arbeit lernt er den deutschen Regisseur und Theaterleiter Kurt Hübner kennen, der ihn später nach Ulm holt. Gemeinsam mit ihm prägt Zadek später, in den sechziger Jahren, den so genannten Bremer Stil, der für großes Aufsehen und barsche Kritik sorgt.
Der Regisseur selbst begegnete seinen Kritikern stets gekonnt und sehr überlegt. So antwortete er auf den Vorwurf, mit der negativen Darstellung des Juden Shylock in seinem Stück Der Kaufmann von Venedig Antisemitismus zu propagieren: "Solange die Deutschen nicht die schlechten Seiten von Juden aussprechen, haben sie nicht begonnen, sich mit ihrem Antisemitismus auseinanderzusetzen."
Bremen wurde damals in den sechziger Jahren zu einem der bedeutendsten Theater in ganz Deutschland, unter anderem auch, weil dort der junge Peter Stein inszenierte. Zadeks Stücke Frühlingserwachen von Wedekind und Schillers Räuber feierten phänomenale Erfolge. Dies brachte ersterem seine erste, dreijährige Intendanz am Schauspielhaus Bochum ein, wo er schließlich auf Ulrich Wildgruber traf, seinen gefeierten Protagonisten, der in zahlreichen seiner spektakulärsten Inszenierungen zu sehen war.
Die Arbeit als Intendant und der damit verbundene stupide Büroalltag schreckten Zadek erst einmal so sehr ab, dass er erst wieder zehn Jahre später als Intendant tätig sein wollte, dann am Schauspielhaus in Hamburg. Seit 1990 ist er an allen deutschen Bühnen als freier Regisseur tätig.
Zadek ruft nach wie vor die unterschiedlichsten Reaktionen hervor. Diese reichen von totaler Ablehnung bis hin zur ikonenhaften Anbetung. Bei einem bleibt er sich
immer treu: Sein Stil ist jedes Mal anders und lässt sich nicht in eine Kategorie drängen. So könnte man sagen, dass es sein Stil ist, keinen zu haben.
Anlässlich Zadeks achtzigstem Geburtstag bat Klaus Dermutz, der Herausgeber dieses Buches, einige Schauspieler, Freunde, Wegbegleiter und Intendanten, ein persönliches Statement über den Regisseur zu verfassen. So schreiben unter anderem Kurt Hübner, Christoph Schlingensief, Colette Godard und viele andere ihre persönlichen Erlebnisse und Einschätzungen über Zadek und ermöglichen so dem Leser einen Einblick in das Leben und das Werk dieses herausragenden Theaterregisseurs.
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