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a Vela - das Kunstmagazin
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16.10.2006
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Meilensteine der Unterhaltungsarchitektur
In unserem Zeitalter der Globalisierung und der unbegrenzten Möglichkeiten scheint es nur eine logische Konsequenz zu sein, uns eine Umgebung zu erschaffen, in der wir uns wohl fühlen. Unsere Spaß- und Freizeitgesellschaft verlangt nach einem architektonischen Rahmen, der diesen neuen Bedürfnissen angepasst ist.
Von Claudia Haevernick
Die Symbiose aus Architektur und Unterhalten schuf eine neue Art der Umgebung, die unter dem Motto "Architainment" errichtet und konzipiert wird. So sehr dieses Modell auch die Bedürfnisse unserer Generation anzusprechen scheint, so wenig neu ist jedoch das Prinzip an sich. Seit der Mensch in der Geschichte aus seinem frühen Paradies vertrieben wurde, ist er auf der Suche nach einem Ersatz, nach einem Ort des friedlichen Zusammenlebens, der alles Negative ausblenden kann.
Bereits vor etwa 12000 Jahren beschrieb der griechische Philosoph Plato so einen Ort, der durch großen Wohlstand, gebildete Bürger und Frieden gekennzeichnet war: Atlantis, die Wiege der Menschheit. Ob dieses Imperium wirklich existierte oder nur Platos Fantasie einer perfekten Gesellschaft entsprach, ist noch immer ein Rätsel.
Ebenso Thomas Mores Utopia. Auch More bezeichnet seine Gesellschaft als eine Art Inselstaat, in dem es keine Ungerechtigkeiten gibt. Die Arbeitszeiten sind gerecht verteilt, ebenso wie Lohn und Lebensmittel. Gold und Diamanten gibt es im Überfluss und niemand muss um sein Leben bangen.
Heute sind die Ansprüche an unsere Umgebung ein Stück weit realistischer und haben weniger mit politischen und gesellschaftlichen Idealvorstellungen zu tun. Die Kluft zwischen arm und reich wird immer breiter und so ist unser Umfeld, unsere Häuser, unser Stadtteil oder unser Urlaubsdomizil, stets ein Spiegel unseres finanziellen Standes. Wer es sich leisten kann, hat fast unbegrenzte Möglichkeiten, sich seinen direkten Lebensraum nach individuellen Vorzügen bauen und designen zu lassen.
Im öffentlichen Raum übertrumpfen sich die Bauwerke gegenseitig. Funktionalität ist lange nicht mehr als wichtigstes Kriterium gefragt. Dagegen wird der zusätzliche Unterhaltungswert von Gebäuden und gestalteten Landschaften immer bedeutsamer. Wer möchte in einem Kaufhaus schließlich in einem normalen, geschlossenen Aufzug fahren, wenn man auch in einem klimatisierten Glasaufzug ins letzte Stockwerk schweben kann und gleichzeitig bunten Wasserspielen im Erdgeschoss zusehen kann.
Die real gewordene Vereinigung von Unterhaltung und Architektur ist natürlich in Las Vegas zu bestaunen. Wobei in dieser Stadt trotz allem nichts real erscheint. Alles scheint möglich, der Nachbau des Eiffelturms steht nur einige Gehminuten von einem künstlichen Venedig entfernt. Besucht man Las Vegas, hat man den Eindruck, in eine Traumwelt geraten zu sein, in der die Grenzen von Realität und Fiktion so weit verschwommen sind, dass man sich wie aus der Zeit gefallen fühlt.
Oliver Herwig greift die bekanntesten und skurrilsten Plätze und Gebäude unserer Zeit auf, allesamt wahr gewordene Träume, von Florian Holzherr eindrucksvoll fotografiert. Diese geballte Ladung an Künstlichkeit, Farben und Nachbildungen macht deutlich, wie unvergleichlich schön alles Natürliche ist und wie weit wir damit von dem eigentlichen "Utopia" entfernt sind. Es scheint, als hätte man den Versuch eines gerechten, friedvollen Zusammenlebens aufgegeben und statt dessen, für die, die es sich leisten können, Orte geschaffen, um für einige Zeit vor der Realität fliehen zu können.
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