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a Vela - das Kunstmagazin
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31.10.2006
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Rembrandt: Mythos und Mensch
Rembrandt umschwebt eine Aura, der auch die Untersuchungen des Rembrandt Research Projekts nichts anhaben können, die in den vergangenen 40 Jahren die Echtheit vieler Werke in Frage gestellt haben. Woran das liegt zeigt die Ausstellungs-Trilogie, die das Berliner Kulturforum dem niederländischen Meister zu seinem 400 Geburtstag widmet.
Von Anna Schwarz
 "Der Mann mit dem Goldhelm"
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Man möchte meinen, dass gerade die Berliner zynisch geworden sind, fand hier doch einer der größten Skandale der Rembrandt - Forschung statt: Als die Gemäldegalerie am Potsdamer Platz den "Mann mit dem Goldhelm" kaufte, erwarb sie eines der berühmtesten Ölgemälde Rembrandts, angeblich ein Portrait des Bruders des Malers. Erst in den siebziger Jahren tauchten im Rahmen des 1968 gestarteten Rembrandt Research Projekts Zweifel an der Authentizität des Bildes auf.
Wenig später stellte sich heraus, dass der "Mann mit dem Goldhelm" eine Werkstattarbeit war, und ganz sicher kein Verwandter des Künstlers Modell gesessen hatte. Kunstliebhaber wie Experten waren erschüttert. Der "Goldhelm" war zum Symbol geworden für Rembrandts Stil sowie für seine Person. Musste das Bild nun über tausenden von gutbürgerlichen Kaminen abgenommen werden?
Die Antwort, die die Kuratoren der Gemäldegalerie mit der international größten Jubiläums – Ausstellung geben, lautet ganz klar: Nein. Die Verwirrung der siebziger ist überwunden, der Rembrandt - Enthusiasmus ungebrochen, und der "Mann mit dem Goldhelm" hängt nun zusammen mit anderen Schülerarbeiten gleichberechtigt neben den Originalen. Unter den rund 80 ausgestellten Gemälden sind viele hochkarätige Leihgaben aus aller Welt zu finden sowie weitere kostbare Originale, die die Gemäldegalerie selbst besitzt. Dennoch konzentriert sich die Ausstellung mit dem Titel "Rembrandt – Genie auf der Suche" nicht allein auf den Kanon, sondern beleuchtet das Werk des niederländischen Meisters und seines Umkreises in all seinen Facetten.
Rembrandt in seiner Vielfältigkeit zu erfassen, dazu tragen auch die anderen beiden Teile der umfassenden Hommage bei, die die Gemälde – Ausstellung ergänzen.
Das Kupferstichkabinett, das zusammen mit der Gemäldegalerie im Kulturforum untergebracht ist, ehrt den Künstler mit zwei Ausstellungen. Stolz können die Berliner aus dem umfassenden und weltberühmten hauseigenen Bestand an Zeichnungen und Radierungen schöpfen.
"Rembrandt. Der Zeichner" belegt mit einer Auswahl von 80 Skizzen aus den unterschiedlichsten Genres den Erfindungsreichtum des Künstlers. "Rembrandt. Ein Virtuose der Druckgraphik" präsentiert mit 110 Exponaten seine Radierkunst, die ohne Zweifel einen Höhepunkt in der Geschichte der Druckgrafik darstellt. Rembrandt sah Radierung und Malerei als gleichberechtigte Kunstformen an. Die grazile Linienführung und die unsagbar vielfältigen Abstufungen zwischen Licht- und Schattenpartien, die sich zu verschiedenen taktilen Oberflächenstrukturen und Volumen zusammenfügen, sind beispielsweise an zwei hervorragenden, frühen Abzügen des berühmten "Hundertguldenblattes" zu bewundern oder an den späteren Meisterwerken "Ecce Homo" und "Drei Kreuze".
 "Hundertguldenblatt"
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Insgesamt rehabilitiert die dreiteilige Ausstellung den Rembrandt, der in der kritischen Auseinandersetzung der letzten Jahrzehnte verloren zu gehen drohte. Gerade in den beiden mit dunkelgrünen und -roten Wandverkleidungen ausgestatteten Räumen, in denen die Ölgemälde prangen, ist es wieder möglich, in den warmen, sinnlichen Gold- und Brauntönen seiner Bilder zu schwelgen, sich in den typischen üppigen Ornamenten, zu denen sich der pastose Farbauftrag zusammensetzt, zu verlieren. Ganz im Geiste des 17. Jahrhunderts malte Rembrandt viele biblische und mythologische Szenen.
Allerdings sind seine Figuren keine stilisierten antiken Helden. Gestik und Mimik sind aus dem Alltag gegriffen. Die Protagonisten seiner Kunst sind an der Physiognomie durchschnittlicher Menschen orientiert und strahlen eine unvergleichliche Echtheit aus. Zahlreiche lebendige Portraits sowie die berühmten Selbstportraits zeigen Rembrandts Neigung, sich mit der Psychologie des Menschen zu beschäftigen. Der intensive Blick eines jungen Mädchens scheint den Betrachter förmlich zu durchdringen, die Augen eines alten Gelehrten hingegen strahlen Weisheit und Güte aus. Vier Bilder des geliebten Sohnes Titus geben Einblick in das Privatleben des krisengeschüttelten Künstlers. Rembrandt wird hier wieder als Mensch zugänglich und vor allem: als Portraitist des Menschen. Kein noch so nüchterner Rembrandt – Forscher kommt gegen diese besondere, intime Ausstrahlung an, die Rembrandt nach wie vor ausmacht und der diese Ausstellung huldigt.
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 "Junges Mädchen am Fenster"
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Obwohl hier sehr persönlich und beinahe biographisch gearbeitet wird, versteht sich die Ausstellung dennoch auch als wissenschaftliches Projekt. Die Jubiläums – Schau wird am vierten und fünften November mit einem Kolloquium beendet, zu dem zahlreiche Experten anreisen. Die Begleitkataloge geben den aktuellen Stand der Forschung wieder, und auch die Ausstellungsorganisation selbst ist auf der Höhe der Zeit. Denn auch das Rembrandt Research Projekt lässt mittlerweile wieder eine größere Vielseitigkeit zu was den Stil und die Malweise Rembrandts angeht. Wurde zu anfangs versucht, das Werk des Meisters anhand eng gesteckter Grenzen in echt und unecht zu unterteilen, wurden jüngst viele der daraus resultierenden Abschreibungen widerrufen.
Rembrandt arbeitete zu einer Zeit, in der es möglich war, verschiedene Stile und Techniken parallel zu praktizieren. Authentizität war nicht gefragt, vielmehr erwartete man von einem Künstler, sich den verschiedensten Anforderungen anpassen zu können. Rembrandt beherrschte diese Kunst wie kein anderer. So hinterließen er und seine Werkstatt uns einen fluktuierenden Werk-Corpus, ein Laboratorium, dem die strikte Unterteilung in Original und Imitation nicht gerecht wird. Das spiegelt auch die Berliner Ausstellung.
 "Simson bedroht seinen Schwiegervater"
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Die Vorlagen, die Rembrandt den in seiner Werkstatt arbeitenden Künstlern zur Imitation zur Verfügung stellte, hängen in Berlin neben den von Schülerhand angefertigten so genannten "Satelliten". Dem Besucher wird der direkte Vergleich ermöglicht, so beispielsweise bei "Simson bedroht seinen Schwiegervater". Die Nachahmung fügt dem vom Meister vorgegebenen Motiv mehrere Nebenpersonen hinzu, die im Original sehr wuchtige Drohgebärde Simsons dagegen wirkt in der Kopie beinahe lächerlich. Ähnlich zaghaft zeigt sich die Imitation des Berliner Meisterwerks "Die Verleumdung Josephs durch die Frau des Potiphar." Der Unterschied zwischen Original und Werkstattarbeit könnte deutlicher nicht betont werden. Trotzdem wird dem Betrachter hier keine Lehrstunde erteilt, denn die Zusammenstellung der Originale ist zu vielfältig, um eine einzige Rembrandtsche Stilrichtung, Maltechnik oder auch nur eine lineare Entwicklung auszumachen.
Für einige Besucher mag das eine Überraschung sein, erwartet man doch von einer Ausstellung, die behauptet, den aktuellen Forschungstand zu illustrieren, zumindest eine klare Aussage. Die wird hier verweigert - mit gutem Grund. Denn gerade die Vielfältigkeit, das schillernde Oszillieren zwischen Feinmalerei und pastosem Farbauftrag, zwischen Portraits von Bekannten und Freunden und reicher historischer Staffage sowie biblischen und mythischen Motiven macht das Werk Rembrandt aus. Dieser Facettenreichtum machte ihn zum Mythos und er macht ihn gleichzeitig angreifbar. Auch in dieser Hinsicht zeigt sich in Berlin Rembrandts menschliche Seite.
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