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  a Vela - das Kunstmagazin
11.12.2006
Entdecker der Stimmungslandschaft

Joseph Mallord William Turner starb am 19. Dezember 1851 als großer Vorreiter der Moderne. Ein Bildband gibt Einblicke in das Leben des Malers, als Künstler, aber vor allem auch in seine außergewöhnliche Persönlichkeit.

Von Claudia Haevernick

Turner wurde 1775 als Sohn eines Barbiers in London geboren. In der Stadt wuchs er in relativ behüteten Verhältnissen auf. Sein malerisches Talent schien ihm in die Wiege gelegt zu sein, denn er begann in sehr frühen Jahren zu malen und sich für diese Kunst, mehr als für alles andere zu interessieren. Turner lernte zuerst unter dem Aquarellmaler Thomas Malton.

1789 startete er sein Studium an der bekannten Royal Academy in London und stellte mit fünfzehn Jahren seine ersten Werke aus. Nur acht Jahre später unterrichtete er selbst an dieser Schule, als Dozent für Perspektivenlehre. Diesen Posten gibt er schnell wieder auf, da er immer als zu unzeitgemäß kritisiert wird.

Auf seinen ersten Bildern waren meist Landschaften seiner Heimat Großbritanniens zu sehen, für die er oft auf Reisen ging. Eine bestimmte Reise sollte jedoch außergewöhnlich prägend sein und Turners Stil eine komplett andere Richtung geben. Diese Reise führte ihn 1819-1820 nach Italien. Sein malerischer Stil entfernte sich immer mehr von realistischen Abbildungen, wofür er scharf kritisiert wurde. Einige Bilder durften nicht mehr in der Academy ausgestellt werden, weil sich das Gegenständliche aufzulösen schien und somit nicht mehr die hohe Kunst der handwerklichen Aquarellmalerei repräsentierte.

Für Turner stand jedoch immer die Stimmung des Bildes im Vordergrund. Er hatte kein Interesse an der genauen, detaillierten Abbildung der Wirklichkeit, sondern wollte zeigen, was hinter dieser Oberfläche steckt. Dazu nutze er in aller erster Linie seine Farben und bildete damit die unterschiedlichen Lichtverhältnisse ab. Es war ihm wichtig, dass er mit seinen ausdrucksstarken Farben die Sinne der Betrachter ansprach und nicht, wie er einst sagte, mit klaren, abbildenden Formen den Verstand.

Die handwerkliche Perfektion war ihm nicht wichtig und erstrebenswert, vielmehr wollte er einen unvergleichlichen Ausdruck in seine Farbwelten bringen, die ihn und seine Werke unverwechselbar machten. Seine Motive entsprachen voll und ganz der Weltanschauung der Romantik – größtenteils dramatische Naturereignisse, aber auch mythologische Bezüge waren seine Themen.

Der Autor dieses Bildbandes, Andrew Wilton, ist einer der bekanntesten Kenner Turners und seit 1985 Konservator der Turner Collection an der Londoner Tate Gallery. Er schuf mit diesem Buch eines der umfangreichsten Werke, die über den Künstler erschienen sind. Wie er selbst sagte, wollte er vor allem Turners packende Persönlichkeit ohne Umschweife darstellen. Deswegen zitiert er ihn so viel wie möglich oder Personen aus dem damaligen Umfeld.

Nach und nach entsteht ein Mosaik aus interessanten und amüsanten Details aus Turners Leben und Werk. Vor allem seine zahlreichen Reisen und den dort entstandenen Bildern kommentiert Wilton ausführlich. Abschließend erhält enthält der Band ein komplettes Verzeichnis von Turners Werken, sowie eine Inventarliste aller Gegenstände, die sich in Turners Haus befanden.


"William Turner", Andrew Wilton, E.A. Seemann Verlag, 2006, 256 S.