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21.05.2007
Roadmovie mit Dämon

Wolfgang Hohlbeins Fortsetzungsroman Intruder.

Von Boris Hänßler

Die imposante Landschaft des Grand Canyon ist keine schlechte Szenerie für Road-Literatur. Es fällt leicht, sich vorzustellen, dass passionierte Motorradfahrer davon träumen, durch diese weiten Täler zu fahren.

Der bekannteste deutsche Fantasy- und Horrorautor Wolfgang Hohlbein ist Motorradfahrer und wenn er nun einen Schriftsteller zum Protagonisten eines Motorradhorrorromans macht, dann ist das eigentlich sein Thema.

Hohlbein schickt die drei Freunde Mike, Frank und Stefan in die besagte Gegend, in der sie sich mit einer Harleytour ihren Lebenstraum erfüllen. Der Roman schildert ihre Erlebnisse innerhalb von sechs Tagen, wobei jeder Tag ein Buch einnimmt. Ursprünglich erschien "Intruder" als sechssteiliger Fortsetzungsroman.

Sechs lange Tage also begleiten wir die drei Motorradfans, angefangen mit ihrer Anreise. Da es sich um Deutsche handelt, fangen sie natürlich früh an, sich über dieses und jenes aufzuregen und sich gegenseitig anzuraunzen. Es geht allerdings auch tatsächlich einiges schief. Die Hauptfigur, der Schriftsteller Mike, schüttet sich Kaffee über die Hose und statt Harleys gibt es nur "Intruders". Das ist Mike zu verdanken, denn er hat heimlich die Maschinen umgebucht, weil er Angst hatte, die Harley nicht lenken zu können. Das verschweigt er seinen Freunden freilich.

Eine Indianerfamilie taucht nun auf und deren Kind sieht irgendwie dämonisch aus, weshalb Mikes Laune komplett in den Keller gefallen ist. Er glaubt, dass der Junge ihn spöttisch anstarre und ihm Böses wolle. In der Folge treffen die drei Freunde immer wieder auf diese Familie und aus der Besorgnis wird schließlich panische Angst.

Mikes Kumpels spielen die Begegnung herunter, doch schließlich geschehen schlimme Dinge: In einem verlassenen Indianerreservat taucht der Junge wieder auf, aber nur Mike kann ihn sehen und hören. Das Kind spricht offen Drohungen aus: die drei sollen verschwinden, ehe es zu spät ist. Auf dem Rückweg von dem Reservat steht der Junge mitten auf der Straße. Mike überfährt ihn. Er findet die Leiche – schrecklich zugerichtet. Er weiß sich nicht anders zu helfen, als weiter zu fahren und den Unfall zu verschweigen. Seine Freunde bemerken die zunehmende Nervosität, und es kommt immer öfter zum Streit.

Es wird aber noch schlimmer. Es geschehen Morde und Mike glaubt nach einigen Träumen, dass ihn ein uralter indianischer Dämon zu einem schrecklichen Spiel herausgefordert hat und dass er dem nicht entkommen kann. Und so bringt ihn der Dämon von einer grausigen Situation in die nächste, rettet ihn aber immer wieder, um weiter mit ihm spielen zu können.

Soweit die Handlung. Hohlbeins Idee, die Geschichte über sechs Bücher zu verteilen, war nicht unbedingt klug. In diesem Fall ließen sich einige dramaturgisch unnötige Wiederholungen nicht vermeiden. Leider verliert die Geschichte deshalb ihre Wirkung. Die Szenen gleichen sich zu sehr, um wirklich beunruhigend zu sein. Der Dämon taucht auf, ist böse, Mike sieht ihn, der Dämon verschwindet und die beiden Freunden fragen, was los ist, ob Mike durchdrehe.

Das alles wiederholt sich so oft, da geht einem der Dämon - zumal in seiner unironischen und unerklärten Bosheit - ein wenig auf die Nerven. Auch sind die Erscheinungsformen allzu routiniert geschildert, die Motivation bleibt unklar. Man hat bisweilen den Eindruck, Hohlbein wollte eigentlich einen Reiseroman schreiben, fühlte sich aber dem Genre verpflichtet. Die phantastischen Elemente wirken so lustlos hineingeschrieben, dass man das Buch nach zwei Tagen (Romanzeit) weglegen möchte. Ein bißchen Stephen Kings "Pet Sematary", ein bißchen "Nightmare On Elm Street", jede Menge Klischees, jede Menge Altbackenes – viel mehr ist da nicht.

Und dann sollte man noch die Idee erwähnen, einen undämonischen Überraschungsthrill einzubauen, der von dem Film "The Game" inspiriert ist bzw. eher uninspiriert.

So ist allenfalls der Reisebericht lesenswert. Die Charaktere sind recht gut beschrieben, ihre diesbezüglichen Konflikte weitgehend nachvollziehbar und man folgt ihnen streckenweise gerne auf ihrer Reise durch die beeindruckende Landschaft, in der sich Wüstegebiete und schneebedeckte Berge abwechseln. Wäre da nicht der böse Dämon...


"Intruder", Wolfgang Hohlbein, Bastei Lübbe, 2005, 684 S.