Die 41-jährige Parsua Bashi lebt seit 2004 in der Schweiz. In ihrer amüsanten autobiografischen Erzählung "Nylon Road" berichtet sie von ihren Erfahrungen im Iran und ihrem heutigen Leben in Zürich.
Das Leben in der Schweiz ist nicht vergleichbar mit dem im Iran. Parsua Bashi beschreibt die Veränderung ihres Lebens von einem aktiven Leben als Grafikdesignerin im Iran zu einer Einsamkeit in Zürich in der Naylonstraße.
Parsua Bashi, geboren in Teheran, aufgewachsen in einer liberalen Familie, versucht mit dieser Autobiographie ihre schwachen Wurzel ins Ausland zu verpflanzen. "Einerseite konnte ich nicht recht verstehen, was da vor sich ging, andereseits sah ich eine ganze Szene in einem einzigen Augenblick: ich war allein, hoffnungslos, verzweifelt", sagt Bashi. Sie ist nicht in der Lage, mit der Situation umzugehen, obwohl sie um Hilfe gerufen hat.
Eines Morgens entdeckt sie beim Zähneputzen im Spiegel, dass sie nicht allein ist. Da steht ein Kind in ihrem Badezimmer, ein kleines Mädchen, das ihr merkwürdig vertraut vorkommt. Es ist die sechsjährige Parsua, mit der sich die Autorin über ihre Herkunft und ihren Weg in ein fremdes Land auseinandersetzt. Diese Auseinandersetzung beginnt mit der Seidenstraße, die ihre Vergangenheit ist, bis zur Naylonstraße, die ihre Zukunft sein wird. Die kleine Parsua und die junge Parsua erinnern sie in der Naylonstraße an die Immigration ihrer Freunde und Verwandten, die Erniedrigung durch das Gericht der Mullahs, ihre verhängnisvolle Ehe und die schmerzhafte Trennung von ihrer Tochter.
Ohne Überheblichkeit und scharf zeichnet Parsua Bashi ein reflektiertes Bild zweier Welten. Als Selbstgespräch kritisiert sie ehrlich die Klischees, die Leute im Westen über Iran haben. Die "Naylonstraße" hat den mit 20,000 Franken dotieren Wettbewerb "Kulturelle Welten in der Schweiz" des schweizer Kulturinstituts "Pro Helvetia" gewonnen. Es erschien auf Deutsch bei dem Schweizer Verlag Kein & Aber.
Ich finde es interessant, dass Sie als Grafikerin ein neues Medium für Ihr Buch gesucht haben. Warum, was gefällt Ihnen an der Grafik, dass Sie die Bilder mit Wörter gemischt haben?
Ich habe dieses Buch für mich selbst begonnen. Viele haben ihr eigenes Tagebuch. Aber es war nicht der einzige Grund. Ich wollte für mich noch einmal den gegangenen Weg wiederholen, in eine ganz neue Welt mit einer völlig anderen Gesellschaft, in der mich keiner kannte und in der ich sehr allein war. Dann kam mir die Idee, mich mit diesem Buch vorzustellen, denn dieser Teil davon ist natürlich meine bittere Vergangenheit. Ich beherrsche Grafik besser als Schreiben und ich habe mich entschieden, dass ich mein Tagebuch male.
Auf der anderer Seite wollte ich auch in der anderen Sprache schreiben. Manchmal kann man seine Emotionen nur in der Muttersprache beschreiben. Und so habe ich meine Gedanken und Emotionen in Bildern zum Ausdruck gebracht. Ich denke, dass Schreiben ein einfacher Weg ist, um Gedanken auszutauschen. Wenn ich mich nur auf mein Fach konzentriert hätte, wäre meine Idee vielleicht eine Ausstellung oder ein Grafikbuch geworden. Da ich erst ein Jahr in Europa war, hatte ich nicht viele Beziehungen und Kontakte, um eine Ausstellung vorzubereiten. In Europa habe ich Comicstrips kennen gelernt. Dieser Stil ist bekannt in Europa und erweckte auch mein Interesse.
Was denken Sie über Comicstrip? Was finden Sie daran interessant? Welche besondere Möglichkeit hat man in diesem Fall als Künstlerin?
Dieser Stil hat den Vorteil, Bild und Wort parallel nutzen zu können, um seine Gedanken und seine Gefühle deutlich zu machen. Wenn einem in einer Szene die Wörter fehlen, kann man ein Bild dafür malen. Im Prinzip überzeugen die Bilder direkter als die Wörter unserer Welt.
Was war die Kernidee? Ich meine, Sie haben über ein langes Thema geschrieben, jeder Teil könnte ein eigenes Buch sein, z.B. Immigration, Krieg und das Leben im Iran...
Eben, Ich wollte nicht eine Biographie über mich schreiben. Mein Ziel war, über mich zu sprechen, meine Meinung als orientalische Malerin auszudrücken, die Meinung der Anderen zu hören. Ich habe die Teile meines Lebens ausgewählt, die mich tief beeindruckt hatten. Ich habe nur Fragen gestellt, deren Antworten ich nicht gefunden habe. Ich habe gar nicht versucht, mein Leben zu beurteilen. Ich habe nur mich, wie ich bin, vorgestellt, um den Lesern und Leserinnen ein wahres Bild von mir geben zu können. Wenn meine Leser den Hintergrund meiner Geschichte kennen, können sie das Thema mit dem Herz spüren.
Ich würde gerne mehr über Ihr nächstes Buch wissen...
Ich bereite ein neues Buch vor. Dieses Mal ein Comic über die Unterschiede zwischen den beiden Kulturen im Westen und im Orient. Ich bleibe beim Comicstrip und versuche mit Humor das Klischee zwischen den zwei Welten von der anderen Seite her zu beschreiben.
Jetzt haben viele Leute in Europa und in der Schweiz Ihr Buch gelesen und kennen Sie. Sie haben sich Ihnen erfolgreich vorgestellt. Was denken Sie selbst? Wie ist jetzt Ihr Bild von sich?
Ich bin noch wie ich bin. Aber ich habe bei mir mehr Frieden und Ruhe. Die Eigenschaften, die meine Vergangenheit geformt haben, sind noch bei mir, aber trotzdem bin ich ein neuer Mensch. Nylon Road hat mir diese Kraft gegeben, die anderen an meiner Welt zu beteiligen. Man weiß, dass man nicht der einzige ist, der Glück oder Pech im Leben hat. Zur zweit kann man seine Schwäche und seine Stärke besser schätzen. Man sieht ein neues Bild von sich selbst und denkt nicht mehr über die Vergangenheit nach. Wenn man die Vergangenheit analysiert, kann man mehr Energie in die Zukunft investieren. Der Mensch soll immer etwas neues im Leben entdecken.