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a Vela - das Kunstmagazin
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04.04.2008
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Reifeprüfung
In seinem Debütroman "Ein letzter Sommer" erzählt der 1996 verstorbene Autor Steve Tesich von dem unausweichlichen Kampf, den es bedeutet erwachsen zu werden. Unbewusst kämpft der 17-jährige Daniel Pirce mit dieser Herausforderung und wird sich innerhalb eines Sommers über die Verluste klar, die aus seinem inniglichen Wunsch resultieren "Endlich seinen Mann zu stehen".
Von Nicola Zaspel
Schon zu Beginn des Kampfes in der ausverkauften Stadthalle weiß der Hobbyboxer Daniel Boone Pirce, dass er seinem Gegner Presley Bivens im Zweikampf erliegen wird. Weder war sein Herausforderer groß noch kräftig, aber beim Anblick seines Lächelns musste Daniel unweigerlich an seinen Vater denken. Ein Lächeln, das ihn zum Aufgegeben zwang, obwohl er den Kampf schon fast gewonnen hatte.
Daniel hat bewusst verloren, denn ein Sieg wäre einem Verrat gleich gekommen. Einem Verrat an seinem eigenen Vater, der für Daniel der Inbegriff eines widerstandslosen Verlierers ist. Er will nicht derjenige sein, der ihn besiegt. Andererseits will er auf keinen Fall so werden wie sein Vater, der tagtäglich missmutig der ungeliebten Arbeit in einer Stahlfabrik nachgeht, abends Kreuzworträtsel in irgendwelchen Illustrierten löst und wenn nicht schweigend, dann streitend mit Frau und Sohn eine Familie bildet.
Für Daniel ist sein High School Abschluss gleichbedeutend mit einem Freifahrtsschein ins Leben. Endlich möchte er die kleine Provinzstadt East Chicago verlassen, um sich ins Leben zu stürzen. Doch noch bevor er das Zertifikat in den Händen hält, kommt ihm die Liebe in die Quere. Sie vereinnahmt ihn ganz und gar, sodass seine Freunde Larry und Billy, sein an Krebs erkrankter Vater und seine besorgte Mutter für ihn zur Nebensache werden.
Rachel, das gleichaltrige Mädchen, das erst kürzlich mit ihrem Vater ein Haus in der Aberdeen Lane bezogen hat, wird in diesem Sommer 1960 zu seinem Lebensmittelpunkt. Seine Gedanken schweifen um die rätselhafte Schönheit mit dem klangvollen Namen. Während Rachel und ihr Vater dem 17-jährigen freundschaftlich begegnen, will er die junge Frau für sich gewinnen. Seine Werbung um sie ist unerbittlich. Selbst von ihren Zurückweisungen lässt er sich nicht aus der Bahn werfen. Vor Liebe blind, merkt er nicht, dass sie eine andere Liebe sucht als er.
Dem Autor Steve Tesich, der sich durch seine Drehbücher für die Filme "Garp und wie er die Welt sah" und "Breaking Away" zu Lebzeiten einen Namen gemacht hat, gelingt mit seinem Debüt eine beeindruckende Auseinandersetzung mit dem Erwachsenwerden. Im Vordergrund steht die Liebe, die unabdingbar zum Reifeprozess gehört. Aber weniger die körperliche Reife, als vielmehr die geistige Entwicklung hin zu dieser starken Empfindung steht im Mittelpunkt seines Adoleszenzromans.
"Die bedingungslose Liebe gibt es nicht", könnte ein Fazit auf "sein bewegendes Debüt" (taz) lauten, aber das 492 Seiten umfassende Buch auf eine Aussage zu reduzieren, würde der Geschichte nicht gerecht werden. Der Leser erinnert sich an seine eigenen Erfahrungen, die mit dem Erwachsenwerden verbunden waren. Angefangen bei dem Pakt mit sich selbst, nie so zu werden wie die eigenen Eltern, über den Glauben, die erste Liebe würde ewig währen, bis hin zu der Ungewissheit, was die Zukunft bringen mag.
Bisher hat sich Daniel Pirce durch`s Leben geboxt, hat keine klare Stellung bezogen und seine Zukunft dem Schicksal anvertraut. Nun, am Ende [s]eines Sommers steht er vor einer schweren, wenn nicht sogar seiner schwersten Prüfung: Eine Entscheidung zu treffen, um sich nicht selbst im Weg zu stehen.
"So ist das Leben nun mal. Man verliert. Du wirst darüber hinweg kommen", kommentiert Daniels Vater den verlorenen Kampf seines Sohnes.
Da weiß Daniel noch nicht, dass das nur ein Kampf von vielen ist, die man im Leben für sich gewinnen kann, wenn man weiß mit der Niederlage umzugehen. Er hat es selbst in der Hand.
"Ein letzter Sommer", Steve Tesich, List Taschenbuch, 2007
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