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a Vela - das Kunstmagazin
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15.04.2008
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Wenn die Schafsnase trügt...
Was passiert, wenn der Schäfer George eines Morgens
ermordet mit einem Spaten in der Brust auf der Weide aufgefunden wird? Nicht nur diesen
Mord sondern vor allem auch das merkwürdige Verhalten scharfsinniger Schafe versucht
Leonie Swann in ihrem Debütroman "Glennkill" aufzuklären.
Von Verena Humm
George Glenn ist ein Eigenbrödler, ja gar ein Eremit. Er lebt mit seiner Schafsherde in einem Schäferwagen auf einer großen Weide im irischen Glennkill. Er gräbt seinen Gemüsegarten hinter dem Wohnwagen um und ist stolz darauf, dass er den Schafen endlich verständlich klar machen konnte, dass dieser Platz für ihr Grasen tabu ist. In der Dorfkneipe sieht man ihn nicht. Auch sonst zieht er den Kontakt mit seinen Schafen dem mit Dorfbewohnern vor. Er liest seiner Herde regelmäßig Schundromane vor, über die er sich selbst so ärgert, dass er sie wegwirft, bevor er das Ende erreicht hat und die Schafe nie erfahren, wie die Geschichte nun ausging.
Ein schönes Leben. Es passiert nicht viel auf der Weide. Außer dem stetigen Grasen der Schafe. Einzig und allein der Traum, den Schafen eines Tages Europa zeigen zu können, bietet Abwechslung.
Doch eines Morgens ist alles anders. George liegt tot auf der Weide. Ermordet. Mit einem Spaten in seiner Brust. Und einem Hufabdruck daneben.
Die Schafe sind entsetzt und Miss Maple, das klügste Schaf von Glennkill und vielleicht von der ganzen Welt, sieht sich verpflichtet diesen heimtückischen Mord an ihrem Schäfer George aufklären zu müssen.
Herrlich beschreibt die Wahlberlinerin Leonie Swann die Spurensuche. Ohne Detektivmütze. Doch mit genug Schafswolle. Die Schafe finden ein "Ding" neben George, das mit dem Mord zu tun haben muss, dessen Bezeichnung sie aber nicht kennen und verfolgen verdächtige Dorfbewohner. Den nach totem Blut riechenden Metzger "Ham", die alte säuerliche Beth, die George immer die Schundromane vorbeibrachte, von denen er nichts wissen wollte, den Schäfer Gabriel, der anfangs von allen Schafen gern gemocht wird, bis sie sein perfides Spiel, das er mit seiner eigenen Schafsherde treibt, aufdecken können.
Ebenso in den Kreis der Verdächtigen aufgenommen wird ein Mann, der der Herrscher in Gottes Haus und über Gottes Acker ist - und somit kurzerhand von den Schafen mit dem Namen Gott versehen wird. Alles andere wäre irgendwie auch scha(r)f unlogisch. Den Anwalt, bei dem das von den Dorfbewohnern so sehnsüchtig erwartete Testament aufbewahrt wird, verorten die Schafe in irgendeinen nahegelegenen Wald. Die Wortspiele sind köstlich gewählt! Amüsement des Lesers ist nicht zu verhindern!
Trotz des Unterhaltungswertes, der den Alltag leicht vergessen werden und den gebannten Leser ganz in die irische Schafswelt eintauchen lässt, wird nie an Spannung eingebüßt. Denn immer dann, wenn sie zeitweilen durch die vielen scha(r)fen Abenteuer in Vergessenheit geraten könnte, erinnert Miss Maple nicht nur die Herde, sondern auch den Leser wieder daran, dass "wir Georges Mörder suchen müssen". Denn das ist eine gute Herde ihrem Schäfer schuldig. "Gerechtigkeit", blökt dann nicht nur die Herde, sondern auch der Leser insgeheim in seinen wolligweichen Schafsgedanken. Die Herde ist weit mehr als eine Herde Gras verschlingender Schafe. Jedes Schaf hat seinen unverwechselbaren Charakter und es werden Identifikationsräume geschaffen.
Da gibt es das Gedächtnisschaf Mopple the Whale, den alten vergesslichen Leitwidder Sir Ritchfield mit den besten Augen von allen, Maude mit dem am intensivsten ausgeprägten Geruchssinn, genauso wie die junge naive Maisie und die mit Wolle so gut bedachte Cloud. Und der Leser mag sich genauso wie den ein oder anderen aus seinem persönlichen Bekanntenkreis wiedererkennen. Man lacht nicht nur über die herben Wortverdrehereien, sondern fiebert mit den Schafen mit, ob sie dem nach Tod riechenden Metzger und dem gemeinen Gabriel entkommen können und ob es ihnen gelingen wird, ihre Ermittlungsergebnisse den Menschen verständlich zu verklickern. Denn nicht nur der ausgeprägte Geruchssinn scheint den Menschen zu fehlen, sondern auch eine Menge Schafsverständnis.
Doch die wirklichen Umstände jener Mordnacht können bis ganz kurz vorm Schluss nicht offengelegt werden. Die Schafsherde ist inzwischen so nah ans Herz gewachsen, dass es den Leser am Ende mehr trifft, dass Miss Maple zwar die entscheidenden Hinweise zur Mordaufklärung gegeben hat, aber letztlich doch nicht die Puzzleteile richtig zusammenzufügen vermochte und ihr der fremde zottelige Widder Fosco erklären muss, wessen Hand letztlich für Georges Tod verantwortlich war.
Doch Miss Maples Klugheit zeigt sich letztlich wieder darin, auch dies mit Fassung zu tragen und sich mit den anderen gemeinsam auf ihre Reise nach Europa zu freuen, welche ihnen nach Georges Testamentseröffnung zugesagt wurde.
"Glennkill. Ein Schafskrimi", Leonie Swann, Goldmann, 2007
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