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a Vela - das Kunstmagazin
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09.09.2010
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Saudek
Eine halbnackte Frau mit einem Dolch in der Hand steht halb lasziv, halb drohend vor einer alten Mauer. Ihr Körper geht von ihren Oberschenkeln in ihre Oberschenkel über – er dreht sich allmählich. Er geht sozusagen in sich selbst über. Man glaubt, die Frau spiegelt sich, doch die untere Hälfte zeigt den Körper von der Rückseite. Außerdem ist da natürlich kein Spiegel. Die Frau scheint in sich selbst verwachsen. "Spielkarte" nennt Jan Saudek so etwas. Das Motiv ist einer Spielkarte entnommen, das Foto ist trotzdem ein echter Saudek: eine Mischung aus barockem Theater, surrealistischer erotischer Fotografie, gleichermaßen realistisch wie artifiziell. Der Pastellton herrscht vor, weshalb man seine Bilder zunächst immer als Malerei wahrnimmt.
Jan Saudek ist bis heute einer der provokativsten Fotografen weltweit. Die verspielten erotischen Aufnahmen eines David LaChapelles finden in Saudek ihren schmutzigen Gegenpart. Man darf keine Angst vor dem menschlichen Körper haben, wenn man sich mit den Bildern des Tschechen auseinandersetzt. Er richtet aus der nahezu immergleichen Perspektive die Kamera auf nackte Menschen vor seiner zerfallenen Kellerwand. Zu sehen sind ganz alte Menschen, ängstliche Kinder, sehr dicke Menschen, Menschen mit allen möglichen Makeln und Fehlern, die oft noch besonders betont sind - normale Menschen, die er von der Straße in sein Kelleratelier holt, ihnen Kostüme umlegt, die aber nicht den Körper verbergen. Durchschnittsmenschen, die Saudek zu Bühnenstars macht, gleichzeitig ihre körperlichen Schwächen bloßlegt, aber nicht ihre Persönlichkeit. Er verwandelt diese Körper in etwas durchaus anziehendes.
Saudek spielt in seinen Bildern alles durch, was das Leben zu bieten hat, angefangen von der Geburt, der Beziehung zwischen Mutter, Vater und Kind, die Teenagerzeit, die Leidenschaften junger Erwachsener, Hass, Krankheit, Eifersucht, Tod. Einige Menschen halten sich eine Pistole in den Mund, andere sind sichtbar krank, oder ihre Krankheit und ihr Alter werden angedeutet – der Tod droht neben ihnen in Symbolen. Morbid seien seine Bilder, schreiben die Kritiker deshalb. Aber das sind sie nicht wirklich, denn sonst leugnet man die anderen Komponenten. Die Bessessenheit vom menschlichen Körper ist eher eine Besessenheit vom Leben.
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