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a Vela - das Kunstmagazin
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09.09.2010
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Darkness
Schon in seinem vorigen Werk, "The Nameless", wandte sich der spanische Regisseur Jaume Balagueró Bereiche zu, die sich dem rationalen Denken entziehen. Ein Geheimbund huldigt in bewusster Abkehr zu jeglichen Moralvorstellungen eine Philosophie des Schmerzes. "Darkness" ist in dieser Hinsicht weitaus radikaler und zeigt ein düsteres, deterministisches Weltbild. Balagueró beschreibt eine der fundamentalsten Ängste der Menschen, die vor der Dunkelheit, der Orientierungslosigkeit und des völligen Kontrollverlustes.
Diese Ängste vermittelt Balagueró mit Hilfe der erzählerischen Mittel gängiger Horrorthriller. Ein in der Filmgeschichte oft gesehenes Geisterhaus lässt den Protagonisten keine andere Wahl, als sich mit den Dämonen schon früh auseinander zu setzen. Zusätzlich droht in "Darkness" eine natürliche Verdunkelung des Tages, die Sonnenfinsternis, die von jeher von Weltuntergangsvisionen begleitet wurde.
Maria und Marco ziehen mit ihren Kindern, dem achtjährigen Paul und seiner älteren Schwester Regina, in ein abgelegenes Landhaus. Dort sind schon kurz nach ihrem Einzug die Anzeichen des drohenden Unheils bemerkbar. Balagueró zitiert hier munter Klassiker des Genres: das Licht beginnt zu Flackern, ein Spielzeugkarussell dreht sich von alleine. Vater Marco verfällt in den Wahnsinn. Der kleine Paul wacht morgens mit Schnittwunden auf, die er nicht selbst verschuldet hat.
In einer Zeit, in der nahezu alles erforscht ist, wirken die Ängste vor dem Dunkeln zunächst irrational. Die Dunkelheit kann das reine Nichts sein, das Bewusstwerden der eigenen Verlassenheit, oder die Menschen projizieren das absolute Böse in sie hinein. Diese letztere Hilfslosigkeit gegenüber einer permanenten, nicht zu ortenden Bedrohung, trägt zudem religiöse Züge. Wir haben es nicht mit einem Killer zu tun, der in der Nacht in den privaten Raum einbrechen möchte und den man gegebenfalls doch überwältigen kann, sondern mit etwas Unfassbarem, nämlich der biblischen Apokalypse. Allerdings ohne die Hoffnung, dass am Ende im Kampf zwischen Gut und Böse ersteres siegen wird.
Am Ende bleibt eine Szene im Gedächtnis: Der Architekt des Geisterhauses hinkt durch einen U-Bahnhof. Die Dunkelheit verfolgt ihn langsam und kurz bevor sie ihn endgültig verschluckt, wandelt sie sich für den Bruchteil einer Sekunde in ein geflügeltes Wesen. In der Mythologie symbolisiert es den Übertritt vom Leben in den Tod. In diesen Bildern spiegeln sich die Ereignisse im Haus, die am Ende auf die gesamte Umwelt übertragen werden müssen. Die deterministische Weltanschauung lässt konsequenterweise kein anderes Ende als das gezeigte mehr zu.
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