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  a Vela - das Kunstmagazin
09.09.2010
Dienstags bei Morrie
Bei seinem College-Abschluss hatte Mitch Albom seinem Lieblingsprofessor, mit dem ihn eine tiefe persönliche Freundschaft verband, versprochen, mit ihm in Kontakt zu bleiben. Doch wie so oft im Leben kam es anders. Mitch wollte Musiker werden, doch er wurde Sportjournalist und er meldete sich 16 Jahre lang nicht bei Morrie. Und wahrscheinlich hätte er sich nie wieder bei ihm gemeldet, hätte er nicht eines Abends durch Zufall im Fernsehen eine Reportage über Morrie Schwartz gesehen, der unheilbar krank ist, seinen Lebenswillen aber nicht verloren hat.

Mitch löst nun sein 16 Jahre altes Versprechen ein: An insgesamt vierzehn Dienstagen besucht Mitch nun den alten Professor, von dem die Krankheit jede Woche mehr Besitz ergreift. Während er beim ersten Treffen noch selbst die Zeitung liest, kann er beim sechsten bereits nicht mehr normale Nahrung zu sich nehmen und beim neunten muss er sich von anderen waschen lassen. Morries Zeit läuft ab, doch er gibt nicht auf. Er empfindet es trotz aller Einschränkungen als Glück, langsam zu sterben, um Abschied nehmen zu können. Er will seinen letzten Kurs mit Mitch zu Ende führen. Er will ihm von seinem Leben erzählen und dem ehemaligen Schüler seine Weisheiten vermitteln, die er im Laufe seines Lebens errungen hat. Das Älterwerden betrachtet er nicht als Verfall, sondern als Wachstum.

Morrie, der alle Alter schon durchlebt hat, kann sich in jedes Alter hineinversetzen, vom Baby über den Jugendlichen bis zum alten Mann: "Ich bin in jedem Alter zugleich". Dies sei der Vorteil der alten Menschen. Er bedauert den wachsenden Einfluss der Konsumgesellschaft, vor allem auf die jungen Leute, die versuchten durch materielle Güter Liebe zu ersetzen, was ihnen aber nie gelingen könne. Morrie will durch seine Krankheit anderen Menschen Trost geben und ihnen zeigen, dass man sich nicht von der Krankheit besiegen lassen muss: "Diese Krankheit greift meinen Geist an. Aber sie wird meinen Geist nicht kriegen. Sie wird meinen Körper kriegen. Sie wird meinen Geist nicht kriegen". Denn "jeder weiß, dass er sterben wird, aber niemand glaubt es," sagt Morris. "Wenn du lernst, wie man stirbt, dann lernst du wie man lebt".